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Kurskonzept entwickeln: die Module aus dem Pre-Sale ableiten

„Woher weiß ich überhaupt, was in den Kurs reingehört?” Das ist die Frage, die tatsächlich gestellt wird, wenn Leute mit einem Kursplan bei mir sitzen. Die brauchbarste Antwort darauf ist unbequem: Verkauf ihn, bevor du ihn baust. Die Modulstruktur entsteht dann aus dem, was zahlende Vorbesteller gesagt haben.

Der Schreibtisch liefert dieses Material nicht. Er liefert das, was du für wichtig hältst, und das ist bei Fachleuten fast immer zu viel und zu weit vorn angesetzt.

Erst verkaufen, dann bauen

Ein Vorverkauf braucht keine Produktion. Er braucht eine Seite mit dem versprochenen Ergebnis, einen Preis, ein Startdatum und einen Kaufen-Button. Zehn zahlende Vorbesteller sagen dir mehr über deinen Kurs als hundert freundliche Kommentare. Wie das konkret abläuft, steht bei den häufigen Fehlern beim ersten Kurs-Launch und im kompletten Guide zur Kursproduktion.

Für das Konzept zählt ein Nebeneffekt: Ein Vorverkauf produziert Rohdaten. Jeder, der kauft, hat einen Grund. Jeder, der fast kauft und dann doch fragt, hat einen Einwand. Beides sind Sätze von echten Menschen über das Problem, das dein Kurs lösen soll.

Deshalb rufe ich jeden Vorbesteller an, fünfzehn Minuten, direkt nach dem Kauf. Vier Fragen reichen:

  1. Was hat dich dazu gebracht, jetzt zu kaufen? Der Auslöser, nicht das Thema.
  2. Was hast du bisher schon versucht, und woran ist es gescheitert? Hier kommen die Fehlversuche, die später deine Modulübergänge bestimmen.
  3. Was genau soll am Ende anders sein, woran würdest du es merken? Die Transformation in den Worten des Käufers.
  4. Was befürchtest du, wenn du an den Kurs denkst? Die Antwort bestimmt Umfang und Einstiegsniveau.

Schreib mit, wortwörtlich. Formulierungen, die zwei oder drei Leute unabhängig voneinander benutzen, sind wertvoller als jede Gliederung, die du dir ausdenkst. Sie sind später deine Modultitel.

Der Fehler, der die meisten Erstkurse ruiniert

Ich sehe ihn ständig: Leute starten mit einem Thema statt mit einem Ergebnis. „Ich mache einen Kurs über Content-Strategie” ist ein Etikett. Es sagt nichts darüber, was ein Teilnehmer am Ende kann, was er vorher nicht konnte.

Ein Thema ist unendlich groß, eine Transformation ist endlich, und nur Endliches lässt sich in Module gießen.

Deshalb ist der erste Schritt bei jedem Kurskonzept kein Brainstorming, sondern eine einzige, unbequeme Frage: Was kann jemand nach dem Kurs, das er vorher nicht konnte, konkret, beobachtbar, an einem Nachmittag überprüfbar? Also nicht „versteht KI-Prompting besser”, sondern „schreibt einen Prompt, der beim ersten Versuch die richtige Tonalität trifft, ohne drei Nachbesserungsrunden”.

Diese Schärfe kriegst du nicht von einem Sprachmodell. Sie steckt in den Antworten auf Frage 3, meist verteilt über mehrere Gespräche und selten sauber formuliert. Deine Aufgabe ist, den gemeinsamen Nenner in einen Satz zu bringen. Dabei hilft KI, wenn du ihr die Rohantworten gibst und nach Mustern suchen lässt.

Rückwärts arbeiten: vom Ergebnis zur Modulkette

Sobald die eine Transformation feststeht, dreht sich die Planungsrichtung um. Die meisten Erstkurs-Ersteller planen vorwärts: „Was weiß ich alles zum Thema, in welcher Reihenfolge erkläre ich das?” Das Ergebnis ist eine Liste von allem, was du weißt, sortiert nach Wichtigkeit für dich, nicht nach Nutzen für den Teilnehmer.

Der bessere Weg geht rückwärts:

  1. Endzustand definieren. Was macht, sagt oder produziert der Teilnehmer am letzten Kurstag? Nimm die Formulierung aus den Käufergesprächen, nicht deine.
  2. Den Schritt davor identifizieren. Was musste er können, damit dieser letzte Schritt überhaupt möglich war?
  3. Diese Kette so lange rückwärts weiterziehen, bis du beim Startpunkt deiner Zielgruppe ankommst.
  4. Erst dann vorwärts lesen. Das ist deine Modulreihenfolge.

Die Übung dauert bei mir gut eine Stunde auf einem Whiteboard oder in einem Textdokument, komplett ohne KI. Warum ohne KI? Weil hier die Substanz entsteht, und die Substanz steht in deinen Gesprächsnotizen. Ein Modell kann dir keine rückwärtsgerichtete Kausalkette liefern, die es aus deiner Praxis nicht kennt.

Schritt 3 war früher die unangenehmste Stelle der Übung, weil der Startpunkt der Zielgruppe eine Annahme ist und die meisten Ersteller ihn zu hoch ansetzen. Nach einem Vorverkauf ist er keine Annahme mehr. Frage 2 hat dir gesagt, was deine Käufer schon versucht haben und wo es geknallt hat. Genau dort setzt Modul 1 an, und zwar meistens eine Stufe tiefer, als es dir angenehm ist.

Ein Versatz bleibt: Vorbesteller sind die Ungeduldigsten deiner Zielgruppe. Wer später über eine Anzeige kommt, startet meist eine Stufe tiefer. Rechne das mit ein.

KI als Sparringspartner: Lücken finden, nicht Inhalte erfinden

Sobald ein erster Entwurf steht, auch wenn er wackelig ist, auch wenn Modul 4 noch komisch aussieht, wechsle ich die Rolle der KI komplett. Jetzt geht es ums Prüfen.

Der Prompt, den ich am häufigsten benutze, klingt ungefähr so:

„Hier ist meine Kursstruktur mit sechs Modulen [Struktur einfügen]. Die Zielgruppe ist [X], der Endzustand ist [Y]. Das hier haben fünf zahlende Vorbesteller über ihre bisherigen Fehlversuche gesagt [Zitate einfügen]. Finde Lücken: Wo fehlt ein Zwischenschritt, damit jemand mit diesen Vorerfahrungen von einem Modul zum nächsten mitkommt? Sei konkret bei jeder Lücke, keine allgemeinen Beobachtungen.”

Das Modell findet dabei meistens etwas. Auffällig oft liegt es im Übergang von den Grundlagen zum ersten eigenen Use Case, wo Ersteller den größten gedanklichen Sprung machen, weil er ihnen selbst selbstverständlich vorkommt. Für dich als Experte ist der Weg von „verstanden” zu „selbst gemacht” trivial. Für einen blutigen Anfänger ist das oft der Moment, an dem er aussteigt.

Ein zweiter Prompt, der sich bewährt hat:

„Versetz dich in einen Teilnehmer mit [Vorerfahrung X]. Du hast gerade Modul 2 abgeschlossen und liest jetzt die Überschrift von Modul 3. Welche drei Fragen hast du sofort im Kopf, die die Struktur noch nicht beantwortet?”

Diese Rollenspiel-Prompts funktionieren besser als abstrakte Kritik-Anfragen, weil sie das Modell zwingen, aus einer Perspektive zu antworten statt aus der Vogelperspektive allgemeine Lehrbuch-Tipps zu recyceln. Setz für die Vorerfahrung eine echte Käuferantwort ein.

Ein dritter Prompt prüft die Reihenfolge selbst:

„Nimm meine Modulliste. Gibt es ein Modul, das logisch vor einem früheren Modul stehen müsste, weil es Wissen voraussetzt, das erst später vermittelt wird? Zeig mir jede Abhängigkeit, die nicht in der richtigen Reihenfolge ist.”

Die Prüfung deckt oft eine Vertauschung auf, meistens bei einem Modul, das historisch zuerst geplant wurde und seitdem an seiner alten Position klebt.

Was ich dabei nie mache: die KI bitten, die fehlenden Inhalte selbst zu füllen. „Was sollte in Modul 2.5 stehen?” ist die falsche Frage. Die brauchbare Information ist „hier fehlt etwas”. Was genau reingehört, weißt nur du, weil es aus deinen Gesprächen mit echten Käufern kommt. Diesen Unterschied zwischen Struktur von KI und Substanz von dir vertiefe ich, wenn es ans Schreiben der eigentlichen Kursskripte geht.

Scope Creep: der stille Kurskiller

Der zweithäufigste Fehler nach dem vagen Thema schleicht sich fast immer über einen einzigen Gedanken ein: „Aber was, wenn jemand auch X wissen will?”

Diese Frage stellt sich fast jeder Ersteller, sobald der Grundentwurf steht. Und fast jeder beantwortet sie, indem er ein zusätzliches Modul einbaut. Das Resultat ist ein Kurs mit elf Modulen, von denen ein Drittel eigentlich Bonusmaterial für eine andere Zielgruppe ist.

Auf der anderen Seite ist das Zeitbudget knapp, jedenfalls im B2B. In der TÜV Weiterbildungsstudie 2026 geben 51 Prozent der Unternehmen an, dass ihren Mitarbeitenden drei bis fünf Weiterbildungstage im Jahr zur Verfügung stehen. Forsa hat dafür im Auftrag des TÜV-Verbands 500 Unternehmen ab 20 Beschäftigten befragt. Ein Kurs, der eine volle Arbeitswoche Bearbeitungszeit verlangt, passt in dieses Fenster nicht.

Meine Faustregel: Jedes Modul muss auf die eine Transformation einzahlen, direkt und unmittelbar. Der Test dafür steht in deinen Notizen. Wenn kein einziger Vorbesteller das Thema eines Moduls von sich aus angesprochen hat, ist das ein starkes Indiz, dass es in einen Bonusbereich gehört oder in einen Folgekurs.

Auch hier ist KI brauchbar für einen schnellen Check:

„Hier ist meine Modulliste. Meine Kernaussage für den Kurs ist [Transformation]. Markiere jedes Modul, das man auch weglassen könnte, ohne dass die Kernaussage kaputtgeht.”

Das Modell ist bei dieser Aufgabe zuverlässiger als bei inhaltlichen Fragen, weil es reine Strukturlogik ist. Es prüft Konsistenz, nicht Wahrheit.

Wie so ein Befund aussieht: Ein geplanter Kurs zu „Positionierung auf LinkedIn” mit sechs Modulen, und beim Gegencheck gehören zwei Module zu einem ganz anderen Versprechen, nämlich „Content-Produktion im Alltag organisieren”. Beide Themen sind wichtig, beide hängen zusammen. Sie beantworten nur unterschiedliche Fragen. Aus einem wackeligen Sechs-Module-Kurs werden dann zwei klare Vier-Module-Kurse.

Der Preis dafür ist echt: Du hast jetzt zwei Produkte zu launchen statt einem. Und wenn schon Geld geflossen ist, schuldest du deinen Vorbestellern eine Erklärung, warum die Hälfte des Versprochenen jetzt woanders liegt. Diese Nachricht schreibt sich unangenehm.

Wie viele Module für einen ersten Kurs?

Es gibt keine magische Zahl, aber es gibt einen brauchbaren Korridor: vier bis sieben Module für einen ersten Kurs. Weniger als vier, und die Transformation wirkt zu dünn, um einen spürbaren Preis zu rechtfertigen. Mehr als sieben, und beim Aufnehmen merkst du meistens, dass die hinteren Module Wiederholung oder Verwässerung sind.

Ein Datenpunkt dazu kommt aus der MOOC-Forschung. Katy Jordan hat 2015 im International Review of Research in Open and Distributed Learning die Abschlussquoten von 221 offenen Onlinekursen verglichen. Der Median lag bei 12,6 Prozent. Die Kurslänge gehörte zu den Faktoren, die am deutlichsten damit zusammenhingen: kürzere Kurse wurden häufiger zu Ende gebracht. Bezahlkurse mit enger Zielgruppe liegen woanders als kostenlose Massenkurse. Die Richtung spricht trotzdem gegen das elfte Modul.

Die Tiefe pro Modul ist wichtiger als die Anzahl. Ein Modul, das eine einzige Fähigkeit wirklich sitzen lässt, schlägt drei Module, die drei Fähigkeiten oberflächlich antippen. Teilnehmer erinnern sich an das, was sie selbst angewendet haben, nicht an das, was sie gehört haben.

Ein zweiter Praxiswert: Plane pro Modul eine einzige Kernübung, die der Teilnehmer nach dem Anschauen sofort machen kann, ohne auf das nächste Modul zu warten. Merkst du beim Strukturieren, dass ein Modul keine eigenständige Übung hergibt, ist das ein starkes Signal, dass es kein eigenes Modul ist, sondern ein Unterpunkt.

Vom Konzept zur Entscheidung, wie du es lieferst

Ist die Struktur stabil, kommt die nächste Weichenstellung: in welcher Form die Module existieren sollen, als Video, als Text, als Audio oder als Mischung. Geschmack spielt dabei die kleinste Rolle. Die Struktur gibt das Format zu großen Teilen schon vor, weil manche Übergänge nur funktionieren, wenn der Teilnehmer etwas sieht. Wie du das passende Kursformat auswählst, entscheidet mit darüber, wie viel Produktionsaufwand am Ende nötig ist.

Der Preis ist da schon gefallen, weil er im Vorverkauf auf der Seite stand. Für die zweite Runde ist er wieder offen. Eine enge Transformation lässt sich fast immer höher bepreisen als ein Themen-Sammelsurium, weil der Nutzen greifbarer ist. Wie Preismodelle auf Basis des Werts statt der Stundenzahl funktionieren, hängt deshalb direkt an diesem Schritt.

Wenn du beim Konzept feststeckst

Manchmal reicht das Sparring mit einem Sprachmodell nicht. Das passiert, wenn die Zielgruppe zu vage ist oder wenn du zu nah am Thema sitzt, um die Lücken zu sehen, die ein Anfänger sofort bemerkt. In solchen Fällen arbeite ich mit Kunden direkt an der Struktur, bevor auch nur eine Zeile Skript geschrieben wird. Das ist einer der Kernbausteine in meiner Zusammenarbeit mit Creators.

Woran merkst du, dass du an diesem Punkt bist? Meist daran, dass du deine Modulliste seit zwei Wochen umsortierst, ohne dass sie besser wird. Ein zweites Paar Augen, das dein Thema nicht kennt, findet die Lücke oft in zwanzig Minuten.

Quellen

Benedikt Backhaus

Experte für KI, Automatisierung und die Zukunft der Arbeit. Ich helfe Unternehmen und Einzelpersonen dabei, die Potenziale neuer Technologien zu nutzen.

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